Bewusstsein


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Was ist Bewusstsein?

 Wenn wir aus dem Schlaf erwachen und die Welt um uns herum wieder bewusst wahrnehmen? Wenn wir uns unter Kontrolle haben und bewusst- weil es die Situation erfordert –ein Lachen unterdrücken? Wenn wir uns selbst im Spiegel erkennen und wissen: Das bin ich? Wie können wir testen ob ein Lebewesen Bewusstsein hat? Diese und ähnliche Fragen werden in meinem Buch beantwortet. 

    Inhaltsangabe – Rezensionen – Probekapitel: 

          http://www.amazon.de/Bewusst-unbewusst

 –

Herzlich willkommen! 

In meinem Buch „Bewusst oder unbewusst“ ,

das bei Wiley erschienen ist stelle ich drei Thesen auf:

 1.      Bewusstsein ist ein Kontrollprozess, der vor

    allem dazu verhilft, dass wir in der Gemeinschaft

    unserer Mitmenschen besser überleben.

 2.      Dieser Prozess ist ein Resultat der Evolution

     und  beruht ausschließlich auf physikalisch

     –chemischen Prozessen.

 3.      Der freier Wille ist eine Illusion, dennoch

      sind wir verantwortlich für das was wir tun. 

 Kommentare hierzu sind erwünscht.

 Fragen werde ich so gut ich kann

 beantworten.

  

Zögern Sie nicht an der Diskussion teilzunehmen,

auch wenn Sie das Buch noch nicht gelesen haben

 aber an den Themen interessiert sind! 

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http://www.theo-physik.uni-kiel.de/theo-physik/schuster/

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59 Responses to “Bewusstsein”

  1. Ulla sagt:

    Peter Bieri beschrieb kürzlich in „Der Zeit“ worin seiner Meinung nach das Problem des Bewussteins besteht. Sehen Sie das auch so?

  2. Schuster sagt:

    Bieri sieht, wenn ich es richtig verstanden habe, folgendes Problem. Wir werden uns der Welt durch unsere Gefühle bewusst, da wir erst durch unsere Gefühle die Bedeutung von Ereignissen erkennen und bewerten können. Die Gefühle unterscheiden sich aber bei verschieden Menschen, da jeder unterschiedliche Gene und Lebenserfahrungen hat. „Der Anblick einer Rose weckt bei mir andere Gefühle als bei Dir“. Die Rose tritt bei mir anders ins Bewusstsein. Es gibt daher „viele Bewusstseinsformen“ und nicht „Das Bewusstsein“.
    Aber es gibt – nun kommt mein Gegenargument- immer noch genügend Überlappung zwischen den Gefühlen verschiedener Menschen, die für viele praktische Zwecke ausreicht. Wenn ich im Blumenladen eine Rose verlange, weiß die Verkäuferin was ich will. Sie hat die praktische Bedeutung des Wortes Rose bewusst erkannt. Wir können auch unsere privaten Gefühle einem anderen Menschen verständlicher machen und sie in das System des anderen übersetzen indem wir darüber sprechen. Das wird immer unvollständig sein und sogar schwierig wenn der Andere, wenn es z.B. um eine Rose geht, farbenblind ist. Hier hat Bieri Recht und es ist eine interessante Aufgabe für Schriftsteller Gefühle so zu erläutern und zu übersetzen, dass sie für verschiedene Menschen verständlich werden. Aber trotz der verschieden Formen des Bewusstseins gibt es, wie gesagt, noch genügend Übereinstimmung zwischen den Menschen, so dass es eine interessante Aufgabe bleibt das damit verbundene „einheitliche, aber in seiner Breite reduzierte“ Bewusstsein zu verstehen. Es erscheint mir ein bisschen so, wie wenn man in der Physik nachsieht wie eine Vogelfeder oder ein Steinchen zu Boden fallen. Wenn man das an der Luft tut, fallen sie verschieden schnell. Im idealisiert Fall, im Vakuum, fallen sie gleichschnell und man hat durch die Untersuchung des „idealisierten Falles“ dann die Chance auf das Gravitationsgesetz zu kommen. In Analogie dazu könnte also eine Untersuchung des „idealisierten Bewusstseins“ doch auch zu spannenden Ergebnissen führen.

  3. Vanessa sagt:

    Was halten Sie für das größte Rätsel beim Bewusstsein?

  4. Schuster sagt:

    Das Spannendste am Bewusstsein ist, dass es uns eine neue Art von Leben ermöglicht: Geistiges Leben.
    Die Tatsache, dass wir mit unserem Gehirn neue Ideen entwickeln können ist (wie der Amerikanische Nobelpreisträger Roger Sperry schrieb) für die Evolution ein Schritt, der in seiner Bedeutung mit der Entstehung der lebenden Zelle – also des biologischen Lebens – vergleichbar ist. Das Rätsel des Bewusstseins besteht daher, meines Erachtens, darin wie dieses geistige Leben zustande kommt, welche funktionalen Voraussetzungen brauchen wir dafür? Genauer gefragt: „Worin besteht, die dafür nötige Architektur in unserem Gehirn? Wie verwandelt sich der Mensch von einem Information aufsaugenden Säugling zum fragenden Menschen? Welche kritische Gehirnmasse muss dafür vorhanden sein, wie passiert der Übergang zum geistigen Leben, der darin besteht, dass Antworten auf Fragen immer wieder neue Fragen erzeugen?“
    Ich habe in meinem Buch versucht einige minimale, absolut nötige Voraussetzungen für die Entstehung „Geistigen Lebens“ aufzuzeigen.
    Die Frage nach der Entstehung geistigen Lebens benötigt aber zur Klärung die Hilfe vieler Fachgebiete und könnte zum Rosetta Stein für die Vermittlung zwischen den, von Snow postulierten, zwei Kulturen (Geistes- und Naturwissenschaft) werden.
    Roger Sperry (1967): Mind Brain and Human Values“; in J.R. Platt (ed.): New Views on Nature and Man, Univ. of Chicago Press.
    H. Kreuzer (Hrsg.) (1987): „Die zwei Kulturen. C.P. Snows These in der Diskussion“, dtv, München.

    Zusatz:
    Mit „geistigem Leben“ meine ich etwas sehr Handfestes und weniger Versponnenes als das Wort vielleicht suggeriert. Der Name beschreibt die Tatsache, dass wir Menschen ab etwa zwei Jahren, d.h. wenn unser Gehirn sich schon etwas entwickelt hat und wir auch schon etwas Wissen über unsre Umwelt aufgenommen haben, anfangen Fragen zu stellen. Da die Umwelt – die sowohl andere Menschen als uns selbst einschließt- sehr, sehr komplex ist, hört dieser Frageprozess nicht auf.
    Wir können biologisches Leben als chemischen Prozess beschreiben, der im Grunde darauf zurückgeht, dass verschiedene chemische Reaktionen einander bedingen und fördern, so dass – getrieben durch Nahrung und Sauerstoffzufuhr von außen- ein stabiles Netzwerk von Reaktionszyklen entsteht. Ähnlich können wir geistiges Leben als ein Prozess beschreiben, bei dem sich Verknüpfungen in unserem Gehirn gegenseitig fördern und umwandeln so dass – getrieben von Informationen aus der Umwelt- ein sich ständig änderndes neuronales Netzwerk entsteht. Die Frage ist die, was haben wir von so einer Beschreibung?
    Nun sie zeigt zunächst, dass es sich –trotz des Wortes „geistigen“- auch beim geistigen Leben um einen materiellen Prozess handelt. Das „Geistige“ ist in der Dynamik dieses Prozesses, in seiner funktionalen Ordnung, zu suchen. Als nächstes können wir die Frage nach der Beschreibungsebene dieses Prozesses stellen. Also, müssen wir auf die Neuronen und Synapsen im Gehirn zurückgreifen oder reicht es den Prozess auf einer höheren Ebene zu beschreiben? Ein Beispiel wo dies gelingt ist ein Auto. Kein Autofahrer will im Detail wissen wie die Zündkerzen oder der Vergaser funktionieren. Er braucht sich, so das Auto fahrtüchtig ist, auch nicht darum zu kümmern. Um fahren zu könne muss er wissen wie das Gaspedal, die Bremsen und das Lenkrad zu bedienen sind. Es reicht eine höhere Beschreibungsebene (als die der Zündkerzen) aus um praktisch mit einem Auto umzugehen. Es gäbe ja auch die, noch tiefer angesiedelte Beschreibungsebene – die der chemischen Prozesse beim Verbrennen von Benzin- um die sich wirklich niemand mehr kümmern braucht, wenn er nur mit dem Auto von A nach B fahren will.
    Die Frage ist nun was ist die richtige- weil für alle praktischen Zwecke ausreichende – Beschreibungsebene für geistiges Leben? Was meinen wir dabei mit „für alle praktischen Zwecke“?
    Schränken wir uns einmal beim „geistigen Leben“ auf die Wechselwirkung zwischen Menschen ein.
    Wenn jemand etwas fragt, dann ist dabei die Sprache involviert, um von andern verstanden zu werden, muss der andere einen ähnlichen Erfahrungsschatz und vor allem ein ähnliches Bewertungssystem haben wie wir. Dann reichen zur Beschreibung „geistigen Lebens“: Sprache (samt Grammatik), Gefühle zur Bewertung, eine gemeinsame (nicht zu simple) Umwelt und Aktionsmöglichkeiten.
    Es geht dann darum Bewusstsein –das die Voraussetzung für geistiges Leben ist- auf der dieser Systemebene zu beschreiben und zu definieren. Welches sind also die funktionalen Voraussetzungen für Bewusstsein? Das ist die Frage, die ich versuche in meinen Buch zu beantworten.

  5. Renate sagt:

    Kann uns unser Bewusstsein dabei helfen besser zu lernen?

  6. Schuster sagt:

    Lernen ist ein sehr wichtiger Prozess und betrifft viele, daher ein ausführliche Antwort:

    Schon Michel de Montaigne hat im 16. Jahrhundert erkannt:
    „Ein Kind ist kein Fass das gefüllt werden muss, sondern eine Kerze die angezündet werden sollte.“
    Schöner kann man es kaum sagen, und die Hirnforschung hat oft nur vieles bestätigt was schon vorher durch Erfahrung mit lernenden Kindern bekannt war. Aber etwas mehr Details wissen wir heute schon:

    – Wenn wir etwas Lernen dann geschieht das dadurch, dass sich in unserem Gehirn Verbindungen zwischen Neuronen, die Synapsen, ändern. Diese Veränderungen erfolgen auf verschiedenen Zeitskalen und werden durch verschiedene Faktoren beeinflusst.
    – Wenn wir unsere Hand am Herd verbrennen, so prägt sich dies sofort durch den Schmerz sehr stark ins Gedächtnis ein. Diese Art von Lernen, ich möchte sie Angst-Lernen nennen, ist zwar effektiv aber führt nicht zu kreativem Denken. Durch sie wird eine Situation mit einem Reflex verbunden, der von weiterem Nachdenken abgekoppelte ist (da er, um einen möglichen Schmerz zu vermeiden, rasch erfolgen muss).
    – Wenn wir etwas mit Freude und spielerisch lernen, werden während des Lernvorganges sehr viele Neuronen aktiviert und sehr viele neue Synapsen gebildet. Es treten sie wesentlich mehr Hirnareale in Wechselwirkung und es werden Endorphine ( „Glückshormone“) im Gehirn ausgeschüttet, die den Lernprozess fördern. All dies führt dazu, dass das Gelernte in unserem Gedächtnis breit eingebettet wird. Dadurch kann es dann zwar nicht wie beim Reflex ruckartig abgerufen werden, aber es werden Verbindungen zwischen entfernten Teil unseres Gehirns gebildet, die beim Abrufen durchaus zu neuen Resultaten mit kreativen Antworten, die man nicht erwarten würde führen können. Deshalb ist ein spielerisches langsames Lernen für Kinder das Beste. Zumal man sich dabei, die im Kind schon vorhandene Neugierde zunutze macht und sie fördert.
    – Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass alles neu Erlernte zunächst sehr fragil im Gehirn gespeichert ist. Es ist noch nicht konsolidiert. Wenn wir etwas Neues lernen und anschließend einen Fernsehfilm schauen kann das Gelernte dadurch wieder ausgelöscht werden.
    Die Konsolidierung des Gelernten erfolgt im Schlaf. Experimente zeigen, dass was wir gelernt haben im Schlaf zum Teil noch einmal im Gehirn abgespielt wird, so dass sich die schon einmal früher aktivierten Synapsen weiter verstärken können. Die Einzelheiten dieses Prozesses sind im Detail noch nicht bekannt. Sicher ist aber, dass sich durch den Schlaf die Gedächtnisleistung für das neu Gelernte um mehr als 10 Prozent erhöht (1).
    Aber auch Auswendiglernen trainiert wirklich das Gehirn. Es wurde gemessen, dass Teile des „Hippocampus“ (Teile unseres Kurzzeitgedächtnisses die auch für die Verarbeitung von räumlichen Informationen im Gehirn zuständig sind) bei Londoner Taxifahrern messbar größer sind als bei andern Menschen (2). Die Taxifahrer müssen sich viele geographische Details merken und dies führte zu einer Vergrößerung des dafür zuständigen Gehirnteils. Ähnliches wird von Medizinstudenten berichtet, die sich viele anatomische Einzelheiten in kurzer Zeit einprägten. Auch bei Musikern vergrößert sich der für Musikverarbeitung zuständige Gehirnbereich (auditorische Cortex) um bis zu 25%. (3). Also Lerntraining führt zu messbaren vorteilhaften und andauernden Veränderungen im menschlichen Gehirn. (Kurz: Sitzfleisch lohnt sich.)

    Der Mathematiker Hadamard fand durch Befragung vieler Forscher ein einheitliches Muster, das sie zu neuen Ideen führte (4):
    a. Viel Information zum Problem aufnehmen (Sitzfleisch)
    b. Das Problem immer wieder im Kopf wälzen (dadurch wird
    es sozusagen verdaubar für unser Gehirn)
    c. Nachgeben und das Problem ruhen lassen, viel Schlafen
    d. Dann kam die Lösung oft einige Tage oder Wochen später „plötzlich wie von selbst“. Sie wurde durch unbewusste Verarbeitung von unserem Gehirn gefunden.

    Für eine solche unbewusste Verarbeitung sprechen auch Experimente (5) bei dem Probanden eine mathematische Regel finden sollten. Sie bekamen das Problem und spielten etwas daran herum. Dann konnte ein Teil von ihnen schlafen die anderen mussten wach bleiben. Die Schläfer fanden die Lösung schneller als die Wachgebliebenen. Insbesondere stellte sich heraus dass nicht nur der Tiefschlaf (der zur Gedächtniskonsolidierung nötig ist) sondern auch der REM Schlaf („Rapid Eye Movement“ Schlaf, bei dem das Gedächtnis aufgeräumt wird und bei dem man mit weniger „inneren Schranken“ denken kann) für die Problemlösung notwendig ist.

    Folgende Faktoren sind also für das Lernen optimal:
    1. Angstfreies spielerisches Lernen, das durch Neugierde getrieben wird. Damit werden „Glückshormone“ freigesetzt und die Lerninhalte werden in vielen Hirnregionen breit gespeichert. Das Gelernte kann dann auch in neuen Situationen wieder aktiviert werden und führt damit zu einer erhöhten Kreativität des Kindes.
    2. Der Lerninhalt sollte begrenzt sein und nicht durch nachfolgende emotional aufwühlende aber passiv aufgenommene Information, wie etwa einen Fernsehfilm gestört werden.
    3. Sitzfleisch lohnt sich. Fleißiges Lernen trainiert unser Gehirn, so dass sogar messbare Gehirnvergrößerungen auftreten.
    4. Schlaf fördert die Konsolidierung des Gedächtnisses. Durch den Schlaf wird unser Gedächtnis aber auch aufgeräumt, so dass wir das Gelernte in größere Zusammenhänge einordnen können. Die im Schlaf gebildeten neuen Verbindungen können sogar zu völlig neuen Einsichten und Ideen führen. Schlaf konsolidiert also unser Gedächtnis und fördert die Kreativität.

    Hinzu kommt, dass jeder Mensch ein etwas unterschiedliches individuelles Gehirn hat und es daher „das Rezept“ , den „Nürnberger Trichter“ , für das Lernen nicht geben kann. Einfühlungsvermögen und „selbst laufen lassen“ sind hier wichtig.

    (1) R. Stickgold (2005), Nature 432, 1272
    (2) E.A. Maguire et al. (2000) PNAS 97, 4398
    (3) C. Pantev et al. (1988) Nature 392, 811.
    (4) J. Hadamard (1954): “The Psychology of Invention in the Mathematical
    Field“ Dover Publ.
    (5) Wagner et al. (2004) Nature 427 , 352.

  7. Erhardt sagt:

    Können eigentlich Gene unser Bewusstsein beeinflussen?

  8. Schuster sagt:

    Gene bestimmen unseren Körperbau und unsere Gehirnverschaltung.
    Ihr Einfluss auf unser Bewusstsein ist aber subtil und wurde erst kürzlich genauer erforscht:

    Das „Sprachgen“:

    1. Das „Sprachgen“ FOXP2 regelt feine Gesichtsbewegungen, die zum Sprechen nötig sind. Man fand innerhalb einer Londoner Familie, dass bei einigen Mitgliedern eine winzige Mutation in diesem Gen auftrat, die verhinderte, dass die Betroffenen verständlich sprechen konnten. Darüber hinaus hatten sie auch Probleme damit Fragen schriftlich zu beantworten. Dies deutet darauf hin, dass diese Mutation nicht nur zu die motorisch Muskelkontrolle veränderte sondern auch zu vermindertem Sprachverständnis führt. Es traten auch messbare funktionale Unterschiede in den, für unsere Sprache verantwortlichen Gehirnregionen auf. (1)
    2. Affen wie Schimpansen Gorillas etc. besitzen das „Sprachgen“ nur in der negativ mutierten Form (wie es bei den sprachbehinderten Mitgliedern der Familie auftrat). Diese Form des Gens ist also die ursprüngliche. Aus ihr hat sich dann im Laufe der Evolution, die menschliche Form von FOXP2 – die unsere Sprachfähigkeit bewirkt – entwickelt. Affen haben nur die ursprüngliche Form des Gens, es fehlt ihnen daher die Fähigkeit zur menschlichen Sprache.(1)
    3. Die, das menschliche Sprachvermögen erzeugende Form des Gens ist – wie Pääbo und Mitarbeiter durch Genanalyse fanden- fand schon bei Neandertalern vorhanden. Da sich Menschen und Schimpanse in der Evolution vor etwa 120 000 Jahren trennten wird vermutet, dass die positive Form „Sprachgens“ erst seitdem auftritt und mit der entscheidende Faktor für die Trennung war.(2)

    Vererbung von geistigen Fähigkeiten:
    Thomson et al haben die Verteilung der Packungsdichte der Neuronen im Gehirn von Verwandten gemessen. Sei fanden hohe Übereinstimmung bei der Packungsdichte im Stirnhirn bei Eltern und Kindern und noch mehr bei eineiigen Zwillingen. Die wunderbaren Farbbilder sind im Web unter (3) zu finden.
    Die Gene regeln also die Gehirnstruktur detaillierter als ursprünglich angenommen und bestimmen damit auch die geistigen Fähigkeiten. Kurz: „Intelligenz – aber auch Schizophrenie – sind vererbbar“. (3)

    Gene bestimmen unser emotionales Verhalten:
    Das Gen SLC6A4 regelt den Serotonin Transport. Verschiedene Formen diese Gens führen zu unterschiedlicher Erregbarkeit der Amygdala auf äußere Signale. Praktisch heiß tdas: Menschen mit der „kurzen Form des Gens“ haben mehr Angst. (4)

    Das ist sicher noch nicht alles zu diesem sich rasant entwickelnden Gebiet.

    (1) Lai et al (2002): Nature 413, 519
    (2) Enard et al. (2002): Nature Online Publ. August 15.
    (3)Thompson et al (2001): Nature Neuroscience Vol. 4 , 12, page 1.
    http://www.loni.ucla.edu/~thompson/MEDIA/NN/Press_Release.html
    (4) Weinberger et al. (2002): Science Vol. 297, page 400

  9. Malte sagt:

    Kann man mit Hypnose das Bewusstsein beeinflussen ?Gibt es Messungen dazu?

  10. Schuster sagt:

    Hypnose ist keine Jahrmarktsbelustigung sondern ein ernstzunehmendes therapeutisches Hilfsmittel. Hypnose wurde in USA bei Operationen zur Entspannung eingesetzt und verkürzte die Verweildauer im Operationsraum im Mittel um etwa 10 Minuten (1), sie brachte auch Schmerzlinderung bei 75% von 933 Patienten (die an 27 verschieden Experimenten teilnahmen).
    Aber was ist Hypnose? Wie funktioniert sie?
    Informationen von außen erreichen über die Sinnesorgane unser Gehirn und werden dort immer weiter verarbeitet. (bottom up processing). Aber gleichzeitig werden die ankommenden Daten vom Gehirn selbst beeinflusst (top down).
    Wenn wir Punkt Punkt Komma Strich :- I sehen interpretieren wir, auf Grund unserer Erfahrung, ein Gesicht hinein. Die Zahl der Nervenbahnen, die vom Gehirn kommend äußere Daten interpretieren ist zehn mal größer als die Zahl der Bahnen, die von außen Information zuführen. Das kann dazu führen dass, wenn wir erwarten einen Tiger zu sehen, wir auch schon vor einem Stück Katzenfell im Gebüsch Angst haben. Wenn also unser Gehirn von etwas überzeugt ist kann es äußere Informationen völlig überstimmen.
    Es wird nun vermutet dass Hypnose ein Prozess ist, bei dem Starke innere Erwartungen die Wahrnehmung äußerer Realitäten drastisch verändern können.
    Das kann durchaus zu unserem Vorteil sein, etwa wenn Hypnose Schmerzen weniger wahrnehmbar macht. Experimente von Hofbauer et al (2) zeigten, dass unter Hypnose die Gehirnaktivität hinter dem vordern Stirnlappen (im sogenannten Anterior Cyngulate Gyrus) verändert ist und so – relativ spät auf dem Verarbeitungsweg- zu verminderter Schmerzempfindung führt.
    Wie viel Schmerz wir empfinden hängt auch davon ab wie viel Aufmerksamkeit wir ihm geben. Es scheint also unser Aufmerksamkeitssystem zu sein, das durch Hypnose beeinflusst wird (3).
    Beim Stroop Experiment unter Hypnose , das hier auf der Webseite im Teil „Neue interessante Resultate“ beschrieben ist, wird, wie Messungen zeigen, ebenfalls die Durchblutung des Anterior Cyngulate Gyrus verändert.
    Methoden wie Hypnose erreicht werden kann werden in (1) beschrieben. Meist handelt es sich um beruhigendes Sprechen. Nicht alle Probanden können hypnotisiert werden. Gut hypnotisierbare Probanden zeigen schon im Wachzustand im Elektroenzephalogramm eine erhöhte Theata-Wellen Aktivität (also Schwingungen von etwa 4-7 Hz).

    Zusammenfassend: Hypnose funktioniert, sie führt zu messbaren Veränderungen in bestimmten Gehirnregionen, aber gibt auch noch viel Ungeklärtes.

    (1) D. Spiegel (2007): The Mind Prepeared :Hypnosis in Surgery JNCI 99, 1280

    (2) P. Rainville et al.(1999) Hypnosis modulates activity in brain structures involved in regulation of consciousness J. Cognitive Neuroscience 11, 110

    (3) A. Raz (2006): Typologies of Attentional networks, Nature Reviews Neuroscience 7, 367

    (4) M. R. Nash (2001) The Truth and Hype of Hypnosis: Sci. American July 17

  11. Hubert sagt:

    Es gibt ja Rechenkünstler, die schwierige Aufgaben im Kopf lösen können oder Eidetiker, die ganze Buchseiten nach einem Blick darauf im Gedächtnis behalten können. Gibt es Wege diese offensichtlichen Fähigkeiten unseres Gehirns auch für „Otto Normalverbraucher“ nutzbar zu machen?

  12. Schuster sagt:

    Es gibt nachweisbar Rechenkünstler und auch Eidetiker, d.h. Menschen mit fotographischem Gedächtnis. So vermutet man dass Dürer ein eidetisches Bildergedächtnis hatte. Bei den Rechenkünstlern handelt es sich oft –nicht immer – um Autisten die emotional von anderen Menschen abgekoppelt sind, da sie sich nicht in sie hineinversetzen können (wie es z.B. in meinem Buch S. beschrieben ist).

    Diese Abkopplung versuchen Autisten oft durch eine innere Zahlenwelt mit einem festen Regelwerk zu kompensieren. Ihre Gedanken werden wenig oder gar nicht durch äußere Einflüsse gestört und so können sie– meist nach langem Training – außerordentliche Rechenleistungen erbringen. Beispielweise, zu jedem Datum und Jahr den Wochentag benennen, riesige Zahlen im Kopf multiplizieren, oder auch (von Geburt an) mathematische Strukturen erkennen (wie der indische Mathematiker Ramanuyan) (1).

    Wenn man an unser Gehirn lokal sehr starke magnetische Wechselfelder (etwa 2 Tesla) anlegt (also eine sogenannte transcraniale magnetische Stimulation ausführt) so werden dadurch in unserem Nervensystem in einem kleinen Volumenbereich Wechselströme induziert. Dadurch kann man lokal Gehirnregionen stimulieren oder auch ausschalten. Also auch eine Abkopplung von Kontrollregionen im Gehirn erreichen. Bisher hat man damit folgendes bewirkt:

    – Die Fähigkeit eine Zahl von Gegenständen abzuschätzen steigt
    schwach an. (2)
    – Die Kreativität beim Zeichnen verbessert sich schwach (3).

    Da zur Kreativität eine gewisse Loslösung von der strengen – automatisch in unsrem Gehirn eingebauten für das tägliche Überleben, sehr nützlichen- Kontrolle nötig ist, wird es verständlich, dass zeichnerische Kreativität oder auch erzählerische Fähigkeiten (fabulieren) durch transcraniale magnetische Stimulation schwach erhöht werden können. Es ist aber auch erwiesen, dass Schlaf kreative Fähigkeiten fördert (siehe auch den Beitrag Lernen unter den Kommentaren auf dieser Webseite).

    (1) A. Snyder (2004): Buchbesprechung „ Autistic Genius“ Nature Vol.
    428 , page 470
    (2) A. Snyder et al. (2003): “Savant-like numerosity skills revealed in normal people by magnetic pulses”, Perception Vol. 35, page 837

    (3) A. Snyder et al. (2003): “Savant-like skills exposed in normal people by suppressing the left frontal temporal lobe”, Journal of Integrative Neuroscience Vol. 2 ,page 149.

    (4) Übersichtsartikel: Lawrence Osborn (2003) “Savant for a Day” in N.Y. Times June , 22.

  13. MichaS sagt:

    Es werden immer mehr genetische Begründungen für das was den Mensch ausmacht gefunden, auch Intelligenz und Verhalten ist zu einem gewissen Teil wohl vererbbar. Liegt darin nicht auch eine Gefahr für das gültige Modell „alle Menschen seien von Geburt an gleich“? Stichworte: Rassismus, Gleichberechtigung der Geschlechter, etc.
    Immerhin wurde mit „Vererbung“ im letzten Jahrhundert sehr schlimme Dinge gerechtfertigt. Liegt darin vielleicht auch eine Angst oder Abwehrhaltung der Wissenschaft gegenüber?
    Anders gesagt: Dürfen wir da überhaupt etwas wissen wollen und wie gehen wir mit diesen Erkenntnissen um?

  14. Schuster sagt:

    Ihre Frage wird wohl zentral unser Jahrhundert bestimmen,
    da der Zusammenhang zwischen genetischer Disposition und menschlichem Verhalten immer besser verstanden wird und genetische Eigenschaften immer einfacher manipulierbar werden.

    Jedes Wissen kann zum Guten oder Bösen eingesetzt werden.
    Wenn man jemals einen Abschnitt der DNS findet, der für Alzheimer oder Schizophrenie verantwortlich ist, wird man froh darüber sein wenn man ihn wegmanipulieren kann.
    Wenn man DNS Schnipsel findet der Menschen resistenter gegen Angstgefühle macht oder sie mit Riesenkräften oder Resistenz gegen Müdigkeit ausstattet, so sind das Eigenschaften die soldatische Fähigkeiten verbessern und daher militärisch nutzbar sind.

    Was tun? Das Beste wäre – in Analogie zum Verbot der Weiterverbreitung von Atomwaffen – eine
    „Internationale Ächtung der Nutzung von genetischer Information zum Nachteil von Menschen“ durchzusetzen. Natürlich ist das nur eine schöne Hoffnung von mir. Aber wir werden uns mit den ethischen Fragen, die durch die Möglichkeiten zur Genmanipulation auftreten und durch die insbesondere unser Gehirn – also auch unser Bewusstsein,- manipuliert werden könnte massiv beschäftigen müssen.

    Erste hoffnungsvolle Schritte:
    James Watson hat bei Bekanntgabe seiner DNS darauf geachtet, dass Teile, die Disposition für Alzheimer anzeigen, nicht veröffentlicht wurden.
    In der letzen Ausgabe von Nature steht der Satz: „Die Verwendung von „Drogen zur Erhöhung der Denkleistung“ führt zu ethischen Fragen, die nicht ignoriert werden können“. Im Anschluss folgt eine Debatte. (Nature (2007): Professor’s little helper“, Vol. 420, Seite 1157-1159).

  15. MichaS sagt:

    Ich meine eben auch Erkenntnisse, die ganze Bevölkerungsgruppen betreffen und in der Gesellschaft allgemein verfügbar sein werden, z.B. sind manche Ethnien im Durchschnitt intelligenter oder zuverlässiger als andere? Sind Blondinen tatsächlich im Schnitt dümmer? Derlei Forschung sehe ich als potenziell gefährlich an, nicht nur die Manipulation der DNA oder Denkleistung durch eine Spitzentechnologie.

    Und es wird eines Tages Statistiken geben, die ein ideales Raster über die bestmögliche Veranlagung aufzeigen („blond und blauäugig“, wenn ich nur dran denke, hmmm); da bin ich mir fast sicher…irgendwie beunruhigend…

    Vielleicht gibt es keine Grundlagenforschung mehr, egal auf welchem Gebiet, die ohne philosophische und ethische Begleitung und Interpretation mehr auskommt…(aber ich glaube das ist nichts Neues)

    BTW.: Ich finde diesen Blog hervorragend. Als wissenschaftlich interessierter Laie begrüße ich jedes seriöse Unterfangen wissenschaftliche Erkenntnisse unter´s Volk zu bringen. Raus aus dem Elfenbeinturm! Danke.

  16. Schuster sagt:

    Als Deutsche haben wir an solchen ethischen und ethnischen Fragen besonders zu arbeiten und auch eine besondere Verantwortung. Schon Konfuzius, sagte (sinngemäß): Unheil fängt damit an, dass auf die Worte nicht mehr geachtet wird.
    Schon die Wortwahl bestimmt, wie sich etwas in unserem Bewusstsein festsetzt und damit welches Menschenbild wir bekommen.

  17. MichaS sagt:

    Worte an sich haben wenig Macht, wie ich glaube. Die „wichtigen“ Worte die ich in meinem Leben gehört habe sind vor allem deshalb noch präsent, weil ich in jenen Momenten gefühlsmäßig irgendwie offen war, sozusagen „labil“. Spielen nicht Gefühle eine entscheidende Rolle dabei, ob Worte hängen bleiben oder nicht?

  18. Heike sagt:

    Ich kann den Pilzsucher auf dem Suchbild S. 44 Ihres Buches nicht finden. Können Sie mir bitte einen Hinweis geben?

  19. Schuster sagt:

    Drehen Sie das Bild auf den Kopf. Dann sehen Sie im unteren Drittel den Pilzsucher mit einer gestreiften Baseball Mütze, deren Schild nach hinten zeigt.

  20. Mario sagt:

    Zu welchem Menschenbild führt eigentlich der in Ihrem Buch entwickelte Begriff von Bewusstsein?

  21. Schuster sagt:

    Er führt zu einem sehr sozialen und mit der Natur verbundenen Menschenbild, denn:

    1. Bewusstsein hat sich im Laufe der Evolution entwickelt und ist untrennbar mit unserem Körper verbunden. Erst dadurch werden Gefühle möglich und erst dadurch gewinnen Bewusstseinsinhalte ihre Bedeutung.

    2. Bewusstsein ist ein soziales Phänomen. Es befähigt uns zur Empathie d.h. wir können uns bewusst in andere Menschen hineinversetzen und damit z.B. Mitleid empfinden.

    3. Menschliches Bewusstsein zeichnet sich durch die Fähigkeit zur Sprache aus. Dadurch können wir anderen Menschen unser Absichten Gefühle etc. mitteilen und mit ihnen kooperieren.
    Sprache ermöglicht es uns Ideen zu entwickeln, wir können damit über uns selbst nachdenken. Sie ermöglicht Selbstkritik, Selbsterkenntnis und Humor. Damit stehen wir an der vordersten Front der Evolution und können uns selbst und unsere Umwelt im positiven Sinn verändern.

    Menschliches Bewusstsein kann abgetrennt vom menschlichen Körper oder abgetrennt von der menschlichen Gemeinschaft nicht verstanden werden, denn es befähigt ja gerade unseren Körper in der Gemeinschaft unserer Mitmenschen besser zu überleben. In meinem Buch untersuche ich die Frage, wie unser Bewusstsein (als Kontrollprozess) organisiert sein muss, damit es zu diesen Fähigkeiten führen kann.

  22. Mirko sagt:

    Wie werden wir uns eigentlich der Zeit bewusst. Manchmal haben wir die Empfindung, dass sie schnell verläuft, dann wieder langsamer, von was hängt das ab?

  23. Schuster sagt:

    Die Frage ist sehr spannend, aber nicht leicht zu beantworten, da es sich um ein aktuelles Forschungsgebiet handelt. Hier ein Versuch:

    Es gibt nach E. Pöppel (1,2) folgende Hierarchie in der Zeitwahrnehmung.

    – Zwei Töne (Klicks) werden als getrennt erkannt wenn Sie mehr als 2-3 Millisekunden auseinander liegen.
    Zwei Lichtblitze müssen aber mehr als 20 Millisekunden auseinander liegen, damit wir sie trennen können.

    – Welcher von zwei Tönen zuerst kam wird nur erkannt , wenn die Zeitspanne zwischen den Tönen größer ist
    als 30 Millisekunden. Mehr als 30 Millisekunden reichen aber auch um zwei Blitze als nacheinander zu
    erkennen. In einem Zeitfenster von etwa 30 Millisekunden werden also Sinneseindrücke als gleichzeitig
    wahrgenommen. Wir nehmen die Welt in Zeitabschnitten von 30 Millisekunden wahr,
    innerhalb dieser Zeitzonen gibt es kein davor und danach (3).

    -Wenn Ereignisse innerhalb eines Zeitfensters von 2-3 Sekunden´ auftreten können sie als Gesamteindruck wahrgenommen werden. Beim Neckerwürfel dauert es etwa 3 Sekunden bis das Gesamtbild umschlägt. Gesprochene Verse dauern etwa 3 Sekunden (nur so werden sie als Einheit wahrgenommen).

    -Länger dauernde Ereignisse werden im Gedächtnis gespeichert und je nach Informationsdichte im Nachhinein – also in der Erinnerung- als verschieden lang wahrgenommen.
    Wenn wir auf einen Bus warten kommt uns momentan die Zeit lange vor, aber im Nachhinein als kurz (es ist ja wenig passiert). Wenn aber während wir warten ein Bekannter kommt und viel Neues berichtet, so kommt uns zunächst die Wartedauer kürzer vor aber im Nachhinein erinnern wir uns an ein langes Gespräch.

    Es gibt in unserem Gehirn verschiedene Mechanismen wie wir die Zeiten wahrnehmen können. Die Grundlage für jede Messung sind Vergleichsgrößen- hier also Zeiteinheiten, die durch Prozesse im Gehirn selbst festgelegt werden.
    Neuronale Signale laufen im Gehirn über „Leitungen“ verschieden lang. Wenn ein äußeres Signal ein Neuron anregt und die Signaldauer stimmt mit einer inneren Laufzeit überein, kann dies zur Zeitmessung (im Millisekunden Bereich) verwendet werden. In unsrem Gehirn treten innere Schwingungen auf, die wir etwa im EEG sichtbar machen können. Deren Schwingungsdauern setzen Zeiteinheiten. So setzen vermutlich „Gammawellen von 30-40 Hertz die, oben erwähnten, 30 Millisekunden Zeitfenster für die bewusste Wahrnehmung (2).

    (1) E. Pöppel (1987) in “Encyclopedia of Neuroscience” p. 1215 (ed. G.Adelman), Birkhäuser
    (2) M. Wittman (1999): “Time perception and temporal processing levels of the brain”, Chronobiology International Vol. 16, 17
    (3) E. Pöppel(1998): “Woher kommt die Zeit in den Kopf?“ Zeitschrift für Kulturaustausch Vol. 3
    (4) C. Stetson et al. (2007): “Does time really slow down during frightening events?” PLOS One 2 e1295
    (5) Canolty et al. (2007): “Spatiotemporal dynamics of word processing in the human brain”, Frontiers in Neuroscience 1.1, 158

  24. Hansen sagt:

    Welche Rolle kann eigentlich die theoretische Physik bei der Erforschung des Bewusstseins spielen? Ist das nicht eine ureigene Domäne der Neurobiologen?

  25. Schuster sagt:

    Zunächst ist das Nachdenken über unser Bewusstsein weder auf Neurobiologen noch Philosophen oder Physiker beschränkt, sondern die Frage „Was ist Bewusstsein?“ betrifft eigentlich jeden denkenden Menschen. Wir besitzen alle ein Gehirn und ein Bewusstsein und je mehr wir darüber wissen, umso besser verstehen wir die Welt und uns selbst.

    Es wäre auch – wie ich auch in meinem Buch darlege – absoluter Unsinn zu versuchen, das Problem des Bewussteins alleine durch Methoden der theoretischen Physik verstehen zu wollen. Das Problem ist viel zu kompliziert und es braucht das Zusammenwirken von Wissenschaftlern aus vielen Disziplinen – Neurobiologen, Psychiater ,Linguisten, Genetiker, Physiker … um ein naturwissenschaftliches Verständnis des Bewusstseins zu erreichen, das (im Sinne von Popper) darin besteht, falsifizierbare Vorhersagen über seine Funktion zu machen

    Was die Rolle der Physik angeht so kommt sie dann ins Spiel, wenn es darum geht zu verstehen, wie aus dem Zusammenwirken von vielen Elementen, Systeme mit sogenannten „emergenten“ – also neu auftauchenden- Eigenschaften entstehen. Beispielsweise lassen einzelne Wassermoleküle im Wasserdampf noch nichts von den Fliesseigenschaften des Wassers erahnen. Erst wenn diese Moleküle bei Temperaturen unterhalb des Siedepunktes von Wasser stärker miteinander wechselwirken, also (durch Wasserstoff-Brückenbildung) stärker aufeinander Einfluss nehmen, entsteht daraus – durch Kondensation- ein neues System (flüssiges Wasser) mit den bekannten neuen Eigenschaften (Möglichkeit zur Bildung von Wasserwellen, etc.), die Wasserdampf nicht hat.

    Bewusstsein entsteht in unserem Gehirn durch das Zusammenwirken von vielen einzelnen Neuronen, die über Synapsen so verbunden sind, dass Information zwischen ihnen ausgetauscht werden kann. Während die Eigenschaften von Synapsen und Neuronen durch neurobiologischer Untersuchungen sehr genau verstanden sind (ähnlich wie die Eigenschaften von Wassermolekülen sehr genau bekannt sind) besteht noch weitgehend Unklarheit darüber, wie durch das Zusammenwirken vieler Neuronen über Synapsen, so etwas wie Bewusstsein entsteht. Da theoretische Physiker aber durch die Untersuchung von Phasenübergängen (wie etwa dem Dampf-Wasser Übergang) Erfahrungen und auch Methoden entwickelt haben, wie neue Systemeigenschaften entstehen, ist es sinnvoll zu versuchen ähnliche Methoden auch auf die Entstehung des Bewusstseins anzuwenden.
    Das Problem liegt aber darin, dass es nicht nur sehr viele sondern auch es viele verschiedene Arten von Neuronen und Synapsen im Gehirn gibt, die miteinander „reden“. Dadurch ist das Problem, die Entstehung des Bewusstseins aus dem Zusammenwirken von Neuronen über Synapsen zu erklären um viele Größenordnungen komplexer, als das Wasser-Dampf Problem. Es bleibt aber festzuhalten: „Wie entsteht durch das Zusammenwirken vieler nichtlinearer Elemente (*) ein System mit neuen Eigenschaften?“ ist eine, für die theoretische Physik typische Fragestellung, zu deren Beantwortung Erfahrungen vorliegen.

    (*) Was ist ein nichtlineares Element: Ein Gummifaden ändert seine Dehnung linear mit der angreifenden Kraft, er ist also ein lineares Element. Drückt man seitlich auf das obere Ende einer auf dem Tisch stehenden Blumenvase, so wird der Kippwinkel zunächst auch proportional zur Kraft anwachsen. Aber wenn man zu stark drückt, kippt die Vase um, der Kippwinkel steigt ruckartig, das System „Vase auf dem Tisch“ verhält sich nicht mehr linear. Schickt man in ein Neuron Strom, so passiert unterhalb einer bestimmt Stromstärke nichts. Übersteigt der Strom aber einen Schwellwert, so sendet das Neuron plötzlich einen Stromstoß aus, es verhält sich nichtlinear.

    Quelle: H.G. Schuster.(2001): „Complex Adaptive Systems“, Scator Verlag (siehe Homepage: H.G. Schuster Univ. Kiel).

  26. Determinist sagt:

    Sie behaupten, wir funktionierten deterministisch. Gleichzeitig sagen Sie, wir wären für das, was wir tun, selbst verantwortlich. Wie passt das zusammen?

  27. Schuster sagt:

    Ihre Frage zielt voll auf den scheinbaren Widerspruch zwischen „deterministisch“ und „verantwortlich“. Hier eine ausführliche Antwort:
    Bei einem deterministischen System wird der Systemzustand (und damit die nächste Handlung) zu einem bestimmten Zeitpunkt durch die Vergangenheit des Systems eindeutig bestimmt (determiniert).
    Der Mensch ist ein deterministisches System, das in die Umwelt (bestehend aus Natur und Mitmenschen) eingebettet ist.
    Sein Verhalten wird daher sowohl durch seinen inneren Systemzustand, als auch durch den Zustand der Umwelt bestimmt. Umwelteinflüsse bestimmen also sein Verhalten mit.

    Jetzt kommt der Punkt: Was heißt in diesem Zusammenhang „Verantwortliches Handeln“?

    Dazu ein Beispiel: Sie fahren mit dem Auto und vor Ihnen spielt mitten auf der Strasse ein Kind.
    Verantwortlich Handeln heißt, Sie verlangsamen, hupen und fahren vorsichtig darum herum. Unverantwortlich wäre es, stur weiterzufahren. Sie müssten sich dann, wenn das Kind verletzt wird, vor Gericht verantworten.

    Die Fähigkeit eines deterministischen Systems Verhaltensregeln – die zum Erhalt des Überlebens in der Gemeinschaft dienen- einzuhalten bezeichne ich als „Fähigkeit zum verantwortlichen Handeln“. Die Fähigkeit verantwortlich zu Handeln ist also eine Eigenschaft eines deterministischen Systems auf äußere Zwänge so zu reagieren, dass die „gesellschaftliche Regeln “ (die zum besseren Überleben in der Gemeinschaft dienen) erfüllt werden.

    Also, erstens ein deterministisches System kann von außen beeinflusst werden, wir sind ein solches System.
    Zweitens wir können so beeinflusst werden, dass wir gesellschaftliche Regeln einhalten, dann handeln wir verantwortlich.

    Der scheinbare Widerspruch zwischen: „Wir sind ein deterministisches System“ und „Wir sind für unser Handeln verantwortlich“ löst sich dadurch, dass wir nur ein Teilsystem (in unserer Umwelt) sind und wir „Verantwortlichkeit“ dadurch definieren, dass wir als deterministisches System die Fähigkeit haben auf Signale aus dieser Umwelt so reagieren, dass wir nicht „bestraft“ werden. Diese Fähigkeit kann je nach der Beschaffenheit des „deterministischen Systems Mensch“ – genetisch oder durch Umwelteinflüsse bedingt – verschieden stark ausgeprägt sein.

  28. Helferich sagt:

    Was sagen Sie zu dem Streit zwischen dem Neurobilogen Singer und dem Philosophen Janich in der FAZ?

  29. Schuster sagt:

    <p>Der Streit beruht m.E. darauf, dass verschiedene Beschreibungsebenen aufeinanderprallen. Wenn Singer sagt Geistesvorgänge „beruhen“ auf neuronalen Prozessen schreit Janich auf. Ähnlich würden wir aufschreien wenn jemand sagt ein Orgelkonzert „beruht“ darauf, dass Luftsäulen in Rohren zum Schwingen gebracht werden. Natürlich stimmt das physikalisch, aber es erfasst die Schönheit eines Orgelkonzerts nicht.</p>
    http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EF920F1103F2D4075A9546E8B1138634E~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  30. Irmi sagt:

    Was halten Sie von dem Film „das Heilende Bewusstsein“? Ist da was dran? Können Sie sich das erklären?

  31. Schuster sagt:

    <p><p><p>Ja, da Bewusstsein ein Kontrollprozess ist kann es sowohl teilweise unseren Körper kontrollieren als auch unser Unterbewusstsein. Ein einfaches Beispiel tritt beim Atmen auf. Meist atmen wir unbewusst, aber wir können auch unseren Atem kontrollieren und bewusst schneller oder langsamer atmen. Wie ich in meinem Buch ausführe, haben wir ein teilweises Abbild unseres Körpers in der, im Gehirn verankerten Körperkarte vorliegen. „Phantomschmerzen“, d.h. beispielsweise Schmerzen am Arm, die auch nach Amputation des Armes auftreten, rühren daher, dass das, in den Verbindungen der Nervenzellen der Körperkarte gespeicherte „Bild des Armes“ , noch vorhanden ist. In meinem Buch beschreibe ich ein Experiment von Ramachandran, das zeigt, dass sich unsere Köperkarte durch Lernen verändern kann. Warum sollten solche Veränderungen nicht auch nur über unser Bewusstsein möglich sein? Es ist bekannt, dass wenn wir uns ein Bild vorstellen im Sehzentrum (im hinteren Teil) unseres Gehirns genau die Nervenzellen aktiviert werden, die auch beim Anblick des Bildes (also durch äußeren Sinneseindruck) aktiv werden. Im Filmbeitrag zur heilenden Funktion des Bewusstseins wird klar betont, dass es Beispiele für die heilende Wirkung des Bewusstseins gibt, es aber völlig unklar ist, wie das funktioniert. Vor allem wird auch seriöserweise gesagt, dass die Möglichkeit zur Heilwirkung des Bewusstseins sehr individuell vom Patienten abhängt. Letztes könnte daran liegen, dass wir eben sehr verschiede „Gehirnverdrahtungen“ haben. Ein schönes Beispiel für die unterschiedliche Gehirnverdrahtung tritt bei sogenannten Synästhesisten auf , das sind (wenige) Menschen, die z.B. wenn sie einen Ton hören gleichzeitig immer eine bestimmte Farbe sehen oder einen bestimmten Geschmack wahrnehmen.<br /><br /><br />
    Durch verschiedene Verdrahtungen im Gehirn haben eben dann bei einem Menschen Gedankenvorgänge, oder bewusst hervorgerufene Bilder im Gehirn eine Auswirkung auf bestimmt Körperfunktionen und bei einem anderen Menschen eben nicht. Gedanken und Bilder in unserem Gehirn sind ja nichts anderes als physikalisch-chemische Prozesse, sie können also von ihrer Natur her eine direkte physikalische Auswirkung auf unseren Körper haben. Daher brauchen wir auch, um die heilende Wirkung des Bewusstseins auf den Körper grundsätzlich zu verstehen keinerlei „spukhafte, neue mentale Kräfte“ (und es ist auch, nach allem was wir derzeit wissen, sehr unwahrscheinlich, dass Quanteneffekte dabei ein Rolle spielen). Dieses grundsätzliche Verständnis öffnet zumindest die Möglichkeit zu einem Detailverständnis – das therapeutisch äußerst wünschenswert wäre- von dem wir aber noch sehr, sehr weit entfernt sind.</p><br /><br />
    <p>http://www.das-heilende-bewusstsein.de/2.html</p></p></p&gt;

  32. Lieber Herr Schuster,
    ich schreibe Ihnen diesen offenen Brief als Kommentar zum Thema Bewusstsein, weil ich nirgends eine eMail-Adresse von Ihnen gefunden habe. Ich las Ihren Kommentar zu meinem Beitrag im Blog Readers-Edition und habe mich über Ihre sachliche Argumentation gefreut. Früher war ich übrigens auch Ihrer Ansicht, dass Bewusstsein ausschließlich auf physikalisch-/chemischen Prozessen beruht.
    In der Physik kann alles mit mathematischen Gesetzen beschrieben werden. Deshalb glaubte ich als Mathematiker, es müsste möglich sein, Computerprogramme zu entwickeln, die zumindest rudimentäre Ansätze von Bewusstsein zeigen und steckte außerordentlich viel Energie in die Erforschung der mathematischen Gesetzlichkeiten von Bewusstsein.
    Zwischenzeitlich bin ich nicht mehr vom Ansatz des physikalisch/chemischen Prozesses überzeugt: Genauso wenig, wie der Physiker durch irgendeine Rechnung vorhersagen kann, welchen realen Zustand einzelne Quanten bei ihrer Messung einnehmen werden, genauso wenig lässt sich bewusstes Verhalten im Voraus berechnen (determinieren). Ich möchte im Scherz hinzufügen: Wäre es anders müssten wir von Zombisein reden und nicht von Bewusstsein.
    Sicher gibt es eine Korrelation zwischen Gehirnfunktion und Bewusstsein genauso wie zwischen einem Fernsehbildschirm und dem darauf zu sehenden Film, aber hat schon jemand schlüssig bewiesen, wo dieses Bewusstsein herkommt?
    Ich mache Ihnen deshalb einen Vorschlag: Lassen Sie uns unsere Bücher austauschen! Das Buch, das ich geschrieben habe, hat den Titel: „Unsterbliches Bewusstsein: Raumzeit-Phänomene, Beweise und Visionen“. Mehr darüber erfahren Sie auf meiner Webseite http://www.klaus-sedlacek.de oder auch bei Amazon.
    Wenn Sie es gelesen haben, freue ich mich auf die anschließende Diskussion mit Ihnen.
    Mit freundlichen Grüssen
    Klaus-Dieter Sedlacek

  33. H.G. Schuster sagt:

    Lieber Herr Sedlacek,
    vielen Dank für Ihre freundlichen Zeilen. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass wir zu einer Übereinstimmung im Hinblick auf die Frage „Was ist Bewusstsein“ kommen werden: 1.Wie ich schon sagte, gibt es keinerlei (in seriösen Fachzeitschriften veröffentlichten) experimentelle Hinweise darauf dass Quanteneffekte beim Bewusstsein eien Rolle spielen. 2. Bewusstsein ist für mich ein Kontrollprozess der es uns ermöglicht in der Gemeinschaft unserer Mitmenschen besser zu überleben. Dieser Prozess stirbt, wie alle unsere Gehirnprozesse, aus wenn wir sterben. Es gibt also kein „unsterbliches Bewusstsein“ und es ist auch kein experimenteller Hinweis darauf jemals in seriösen Fachzeitschriften veröffentlicht worden.
    Ich wünsche Ihnen alles Gute.
    Mit freundlichen Grüßen,
    H. G. Schuster

  34. Kinseher Richard sagt:

    Selbstbeobachtbare Gehirnfunktion

    Sehr geehrter Herr Schuster

    Es ist möglich, das eigene Gehirn LIVE bei der Arbeit zu beobachten. Dieses Phänomen ist unter dem irreführenden und daher falschen Begriff ´Nahtod-Erlebnisse´(NTE) bekannt geworden. (Denn: Die meisten NTEs ereignen sich gar nicht in Todesnähe).

    Bei einem Sinneserlebnis/Gedanken ´ich sterbe/ich bin tot´ arbeitet das Gehirn wie immer(!!!): es vergleicht das eingehende Erlebnis mit den im Gedächtnis vorhandenen Wissen/Erlebnissen und leitet daraus seine Gegenreaktion ab.
    Weil aber die Erfahrung z.B. ´Ich bin tot´ eine paradoxe (=unmögliche/ungültige) und bisher nicht vorhandene Erfahrung für einen lebenden(!) Organismus ist, erfolgt die Suche besonders gründlich.

    Wenn sich das Gehirn nach der ´Todesnachricht´ auf eine bestimmte Tätigkeit konzentriert, werden andere Sinneseindrücke kaum noch bzw. gar nicht mehr wahrgenomen (= Unaufmerksamkeitsblindheit). Daher empfindet man zuerst ein Gefühl von Frieden, Ruhe, Schmerzfreiheit.

    Dann kann man das eigene Gehirn bei seiner Tätigkeit LIVE beobachten. Zwei Strategien werden dabei erkennbar (nacheinander und/oder durcheinander):
    A) Es erstellt eine virtuelle Simulation der aktuellen Lage (= die sogenannte außerkörperliche Erfahrung)
    B) Es durchsucht das episodische Gedächtnis (zeitlich aufwärts, abwärts bzw. stichpunktartig) – und bewertet die gesichteten Erlebnisse mit dem aktuellen Verstand (Bewusstsein, Selbstverständnis).
    => die dabei hervorgeholten Erinnerungen entsprechen genau dem, was ein Mensch erleben und im Gedächtnis speichern kann:
    a) Geräusche (= der Gehörsinn arbeitet etwa ab der 24.-26. Schwangerschaftswoche)
    b) das Gefühl sich durch einen dunklen Tunnel auf ein Licht hin zu bewegen, das Licht wird immer größer (= die Entwicklung des Sehsinnes, in rascher Abfolge, daher die optische Täuschung, sich auf das Licht hin zu bewegen)
    Die Geburt ist nicht erkennbar (mein aktueller Wissensstand).
    c) das Gefühl, mit einem sprechenden Lichtwesen zusammengetroffen zu sein; man wird von ihm in Liebe und Wärme umhüllt (= nach der Geburt ist das Baby fast blind, es weiß weder dass es geboren wurde, noch dass es von der Mutter versorgt wird – aber Erlebnisse aus dieser Zeit werden im Gedächtnis gespeichert => in der nachträglichen(!) Bewertung zum Zeitpunkt der NTE-Erfahrung wird dadurch aus gesehenem Licht und der sprechenden, liebevollen Mutter der Eindruck, mit einem liebevollen, sprechenden Lichtwesen zusammengetroffen zu sein.)
    d) manchmal erinnert man sich auch an irreal gefärbte, leuchtende Gebäude/Landschaften (= das menschliche Auge ändert sich: am Anfang ist das Baby fast blind, dann muss es scharf sehen und Farben sehen lernen. Außerdem ist das optische System des Babys noch vollkommen klar und ungetrübt. Unser Sehsystem ändert sich im Laufe der Zeit – es wird trüber und dunkler. Wenn man sich dann im Rahmen des NTE an Erinerungen aus der Babyzeit erinnert => erscheinen diese Bilder irreal leuchtend und hell.)

    e) man erlebt sein ganzes Leben noch einmal, manchmal vom aktuellen Alter bis zurück in das 2. Lebensjahr (= dieser sogenannte Lebensrückblick entspricht eindeutig Erinnerungen aus dem episodischen Gedächtnis, da man sich dabei u.a. auch an noch lebende Personen erinnert.)

    So, das wär´s!
    Wie sie sehen, Herr Schuster, kann man bei Nahtod-Erlebnissen sogar live sein eigenes Gehirn beobachten, wie es in einem Rückkopplungsprozess das eigene episodische Gedächtnis durchsucht und die darin enthaltenen Erfahrungen mit dem aktuellen Bewusstsein neu bewertet.

    Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesem Beitrag eine Anregung für Ihre Überlegungen und Forschungen geben.

    Mit freundlichem Gruß
    Kinseher Richard

  35. H.G. Schuster sagt:

    Sehr geehrter Herr Kinseher,

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. In der Tat kann sich unser Gehirn selbst beobachten, es nimmt dabei eine höhere Metaebene ein, wie ich es auch schon in meinem Buch beschreibe. Ich werde noch etwas weiter nachdenken, um später genauer auf Ihre Anregung zu antworten. Hier zunächst einige Hinweise auf wissenschaftliche Ergebnisse zum Phänomen:

    1. Wikipedia:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Out-of-body_experience

    2. Linking Out-of-Body Experience and Self Processing to
    Mental Own-Body Imagery at the Temporoparietal Junction.

    http://www.jneurosci.org/cgi/content/abstract/25/3/550

    3. Out-of-Body Experience? Your Brain Is to Blame
    New York Times Oct. 3, 2006.

    http://www.nytimes.com/2006/10/03/health/psychology/03shad.html

  36. Kinseher Richard sagt:

    Sehr geehrter Herr Schuster

    Vielen Dank für die Links.
    Virtuelle Simulationen des eigenen Körpers werden z.B. manchmal auch von am Hirntumor erkrankten Patienten beobachtet: heautoskopische Halluzination, Dopelgänger-Phänomen, Spiegelhalluzination.
    Auch das Charles-Bonnet-Syndrom zeigt interessante visuelle Halluzinationen bei geistig gesunden(!) Menschen; wenn sie wenig äußere Reize eleben.
    Diese beiden Beispiele zeigen (zusätzlich zu Ihren Links), dass das Gehirn durchaus in der Lage ist, virtuelle Simulationen in das bewusste Erleben einzuspeisen.

    Bei den Nahtod-Erlebnissen (NTE) ging man bisher davon aus (weil einige im Rahmen von Herzstillstand erlebt wurden), dass es sich um Ergebnisse eines Sterbeprozesses handeln würde.
    Dies ist ein Denkfehler.
    Ich dagegen gehe davon aus, dass ein bestimmter Schlüsselreiz zum Auslöser für eine ganz normale Gehirnaktivität wird. Wenn Sie einmal in der Nahtod-Literatur genau lesen, dann fängt ein NTE immer dann an, wenn die Patienten hörten, dass sie für Tod erklärt wurden („Herzstillstand!“-Ruf vom medizinischen Personal – oder wenn sie selbst meinten, sterben zu müssen)
    z.B. im Wikipedia-Artikel können Sie das Beispiel mit den abgeschalteten Herzschrittmachern lesen. D.h. Herzstillstand ist kein Auslöser; die Patienten wussten, dass das Gerät abgeschaltet wird – daher fehlte der Schlüsselreiz.

    In meinem Modell ´selbstbeobachtbare Gehirnfunktion´ gehe ich von den gleichen Gedanken aus, wie sie in Ihrem Buch angesprochen werden: z.B. der Fähigkeit zur Selbstreflexion, das Gehirn sieht in seinem Gedächtnis mit Hilfe von Rückkopplungsschleifen a) nach (hatte ich dieses Erlebnis schon einmal, und was habe ich da gemacht) bzw. b) bewertet die gespeicherten/gefundenen Erlebnisse mit dem aktuellen Verstand/Bewusstsein (Selbstreflexion, höhere Ebene).

    Ich gehe weiter – stillschweigend – davon aus, dass es nicht der Storch ist, der die fertigen Babys bringt.
    Das Gehirn des Fetus legt ´Landkarten´ im Gehirn an, die den einzelnen Körperteilen zugeordnet sind. Ich gehe zusätzlich davon aus, dass auch Sinneserfahrungen (Geräusche, Entwicklung des Sehsinnes) im Gedächtnis gespeichert werden, sobald die entsprechenden Strukturen des Cortex vorhanden sind. => die mit unfertigen Sinnesorganen erlebten Sinneserfahrungen werden später mit dem Erfahrungshintergrund von ausgereiften Sinnesorganen neu bewertet.

    Es ist bereits gut erforscht, dass unser Gehirn beim Erinnern die persönlichen Erinnerungen verändert, neu bewertet oder gar etwas dazu erfindet. Aktuell gibt es dazu einen sehr guten Artikel in der zeitschrift ´Welt der Wunder 12/08´: Wie wahr sind unsere Erinnerungen?

    => Das einzig Neue, was in meinem Modell enthalten ist, ist die Beobachtung, dass man bei NTEs dem eigenen Gehirn selbstbeobachtbar bei der Arbeit zusehen kann. (Grund: Unaufmerksamkeitsblindheit.)

    Aus diesem Grund sehe ich für die Gehirnforschung ein großes Potential in der Erforschung von Nahtod-Erlebnissen; weil man dadurch einige Abläufe/Phänomene besser verstehen kann.
    z.B. die frühkindliche Amnesie, die Entwicklung des Sehsinnes, Freud´s Thesen müssen neu überdacht werden, usw.
    Bisher hat die Gehirnforschung das Thema ´NTEs´ leider vernachlässigt und Esoterikern überlassen.

  37. Schuster sagt:

    Sehr geehrter Herr Kinseher,
    ich stimme mit Ihnen darin überein, dass man die Gehirnforschung nicht Esoterikern überlassen darf.Was Nahtoterlebnisse angeht, so sind sie nicht allzu häufig.
    Es ist m.E. weniger wichtig das Problem des Bewusstseins als eine Art Selbstschau des Gehirns zu betrachten, als vielmehr Bewusstsein als soziales Phänomen zu erkennen. Der Mensch wird sich als Indiviuduum in der Gesellschaft, seiner selbst bewusst, da er um zu Überleben Egoismen aufgeben muss. Die Erkenntnis, dass wir als Gemeinschaft auf der Erde nur überleben können,wenn wir zusammenarbeiten scheint mir ein sehr wichtiger Schritt. Diese Art von Metabenenbildung ist nicht individuell,narzisstisch bezogen, sondern entdeckt das Individuum als Teil der Gemeinschaft. An dieser Schnittstelle zwischen individueller Freiheit und der Einordnung in die Interessen der Gemeinschaft bewegt sich auch die Gesetzgebung.Was immer wir aus der Gehirnforschung über das Bewusstsein lernen, wird – ähnlich wie die Genforschung- die Gesetzgebung beeinflussen, da beide Forschungsgebiete unser Menschenbild in nächster Zeit stark verändern werden. Wir leben wirklich in einer spannenden und interessanten Zeit.

  38. Kinseher Richard sagt:

    Sehr gehrter Herr Schuster

    Man muss zwischen dem persönlichen Bewusstsein (ICH, Selbst, Eigenwahrnehmung) im Gehirn und dem öffentlichen Bewusstsein eine klare Trennungslinie ziehen; da es sich um völlig verschiedene Phänomene handelt.

    Ein öffentliches Bewusstsein als solches gibt es nicht, und wird es nicht geben. Die einzelnen Menschen sind gar nicht interessiert daran, als Teil einer Gemeinschaft zusammen zu arbeiten.
    Sondern jede(r) Einzelne sucht nur den momentanen Vorteil und ist gar nicht bereit auf ein längerfristiges Ziel hin zu arbeiten (z.B. Vermeidung einer Klimakatastrophe, gerechtere Lebensbedingungen weltweit).
    Ein gutes Beispiel für diesen Egoismus ist aktuell die zunehmende Zersplitterung der Parteienlandschaft. Ob Politiker oder Demagoge, wer am meisten verspricht, wird gewählt.
    Die Kriege in Afrika sind ein Zeichen, dass wir gar nicht an einer gerechten Welt interessiert sind. Wir regen uns (zu recht) auf, wie in Guantamano die Gefangenen gehalten werden – aber wenn sich in Afrika 100000ende gegenseitig umbringen, kommen keine Proteste. Dort geht es schließlich um Rohstoffe, die wir ohne schlechtes Gewissen verbrauchen.

    Mit freundlichem Gruß
    Kinseher Richard

  39. Schuster sagt:

    Sehr geehrter Herr Kinseher,
    ich meinte nicht „öffentliches Bewusstein“. Vielmehr wollte ich zum Ausdruck bringen: Unser persönliches individuelles Bewusstein wird im Wesentlichen durch unsere Wechselwirkung mit unseren Mitmenschen bestimmt und definiert (z.B. Sprache). Wie ich in meinem Buch schreibe hat Bewusstsein -die Gehirngröße steigt bei Primaten mit der Größe der sozialen Gruppe- vor allem eine soziale Funktion. Im Übrigen teile ich nicht ganz Ihren Pessimismus. Wir haben in der Geschichte (denken sie and die Hexenverbrennungen im Mittelalter) Fortschritte darin gemacht was unsere Kooperationsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein angeht. Aber natürlich ist das ein sehr mühsamer und langsamer Prozess mit furchtbaren Rückschlägen, die wir leider gerade auch bei uns Deutschen beklagen und verantworten müssen.

  40. Kinseher Richard sagt:

    Sehr geehrter Herr Schuster

    Danke für die ergänzende Antwort.

    Ich habe irgendwo gelesen, dass man nur zu/mit einer begrenzten Zahl von Menschen ein Gruppen-/Zugehörigkeitsgefühl entwickeln kann (an die genaue Zahl kann ich mich nicht mehr erinnern) – das bedeutet doch, dass die Entwicklungsfähigkeit von überregionalen gemeinschaftsbildenden Ideen begrenzt ist – denn man fühlt sich doch eher als Mitglied einer kleinen Gruppe wohl.

    D.h. gesellschaftlich notwendige Visionen für die Zukunft sind zu abstrakt für den einzelnen Menschen.

  41. Schuster sagt:

    Sehr geehrter Herr Kinseher,
    ja Sie haben recht, die Zahl ist etwa 150, und ich meinte mit sozialer Gruppe und sozialem Verhalten unser Verhalten im Alltag, also in der Familie, im Beruf, im Straßenverkehr etc. wo wir täglich mit andern Menschen zu tun haben. Durch die Evolution sind wir etwa auf obige Anzahl von sozialen Partnern angepasst und es fällt uns daher, wie Sie schon sagten, schwer, überregional zu denken. Immerhin bleibt die Hoffnung, dass wir uns über den Verstand rasch weiterentwickeln können und es ist eine notewndige Aufgabe und spannende Frage, wir wir das etwa durch Erziehung optimieren können.
    Ich freue mich über Ihre Diskussionbeiträge und grüße Sie freundlich zurück,
    H. G .Schuster

  42. Kinseher Richard sagt:

    Sehr geehrter Herr Schuster

    Zur Weiterentwicklung des Menschenbildes dürfen wir von der Gehirn- bzw. Bewusstseinsforschung nicht allzuviel erwarten.
    Sie hat zwar in bewundernswerter Weise sehr wichtige Details über Gehirnfunktionen und menschliches Verhalten erforscht – trotzdem muss man ihr immer noch unsaubere Basis-Arbeit vorwerfen.

    Denn: Berichte über sogenannte Nahtod-Erlebnisse (NTEs) sind seit über 30 Jahren in große Zahl verfügbar. Leider hat die Gehirnforschung bis heute nicht erkannt, dass man bei NTEs dem eigenen Gehirn live bei der Arbeit zusehen kann – wobei auch vor-/nachgeburtliche Erlebnisse sichtbar werden.
    Das Thema ´NTEs´ wurde bisher mehr oder minder ignoriert, statt die berichteten Abläufe zu ordnen, zu analysieren und zu beschreiben – – – das ist etwa so, wie wenn man ein Haus ohne Fundament baut.
    => Wenn man die Gehirnforschung ernsthaft betreiben will, muss man auch diese Erlebnisse und ihre Bedeutung für das menschliche Bewusstsein betrachten. Wer die vor-/nachgeburtlichen Erfahrungen eines Menschen nicht beachtet, läuft Gefahr, falsche Schlussfolgerungen zu ziehen.

    Ignorieren ist unwissenschaftlich.

  43. Schuster sagt:

    Sehr geehrter Herr Kinseher,
    natürlich sollte man Nahtoderlebnisse nicht wissenschaftlich vernachlässigen. Aber Nahtoderlebnisse sind, natürlich stark persönlich gefärbte, nicht alltägliche Ereignisse und daher nicht wissenschaftlich objektiv. Man könnte dieses Problem dadurch versuchen zu beheben, indem man viele Personen mit Nahtoderlebnissen auf Gemeinsamkeiten hin befragt. Ein weiteres Problem ist, dass Nahtod bedeutet, wir haben einen gegenüber unserem Alltagsverhalten stark veränderten Gehirnzustand vorliegen, der etwa -infolge der Todesnähe – durch Ausschüttung von Hormonen und Endorphinen „verbogen“ ist.
    Wir können unser Gehirn aber jetzt schon objektiv durch Gehirnscans bei der alltäglichen Arbeit beobachten Das Auflösungsvermögen ist bei SQUID Messungen(bei denen man das lokale Magnetfeld im Gehirn mit supraleitenden Interferometern misst) räumlich unter einem Kubikzentimeter und zeitlich sehr hoch -höher als bei funktionaler Magnetoresonanz (fmr). Ich bevorzuge solche objektiven Messmethoden.
    Aber, wie bei jeder wissenschaftlicher Forschung auf Neuland, bin ich auch für „catch as catch can“ d.h., alle Informationen, die man gewinnen kann sollen verwertet werden, also auch Nahtoderlebnisse, allerdings mit den oben gemachten Einschränkungen.

  44. Kinseher Richard sagt:

    Sehr geehrter Herr Schuster

    Es ist schon lange bekannt, dass die meisten sogenannten Nahtod-Erlebnisse (NTEs) gar nicht(!) in Todesnähe stattfinden. In meinem Blog-Beitrag vom 22.11. finden Sie eine standardisierte Ablaufbeschreibung von NTEs; wenn man diese Erzählungen nach Ablauf-Gemeinsamkeiten vergleicht. Eventuell muss man den Text zwei oder dreimal durchlesen, um seine Bedeutung zu verstehen.

    Diese Ablaufbeschreibung ist so universell, dass sie für alle NTEs gilt – d.h. sie ist objektivierbar; und damit wissenschaftlich verwertbar.
    Der Gedanke, bei NTEs würde es sich um eine gegenüber dem Alltagsverhalten veränderten Gehirnzustand handeln, ist weit verbreitet – aber falsch. Denn gerade in Notsituationen wird sich das Gehirn so verhalten wie immer; d.h. es wird mit den bewährten Mechanismen arbeiten.
    Der Gedanke, bei NTEs würde es sich um einen beginnenden Sterbeprozess oder um eine Schocksituation handeln – in der das Gehirn völlig anders arbeitet – war immer schon ein Märchen.
    Das einzige was für das Gehirn neu ist, ist der Sinneseindruck/Gedanke – ich bin tot/ich sterbe – da dieser eine ungültige ´Eingabe´ für einen lebenden Organismus darstellt. Ein Computerprogramm würde abstürzen oder die Fehlermeldung ´unzulässige Eingabe´ bringen.

    Leider macht man sich wenig Gedanken darüber, was ein Fetus/junges Baby empfinden kann – und wie man diese Erlebnisse bewerten würde, wenn man sich als Erwachsener nochmals daran erinnert.

    Dass es sich lohnt, sich in Babys hineinzuversetzen, können Sie in dem (sehr empfehlenswerten) aktuellen Heft GEOkopakt Nr. 17 ´Kindheit´ auf Seite 59 lesen:
    Wenn man ein Neugeborenes hält, so dass seine Fußsohlen gerade noch mit einer z.B. Tischoberfläche Kontakt halten, dann vollführt es Schreitbewegungen – der sogenannte ´Schreitreflex´. Nach 6-8 Wochen verschwindet dieser Reflex – man nahm lange an, dass dies durch Veränderungen im Gehirn geschehen würde.
    Die US-Forscherin Esther Thelen überprüfte diese ´Weisheit´ mit einen anderen Denkansatz: könnte es sein, dass die Babys nur zu schwach sind, um die Beine zu heben?
    Sie nahm 6 Woche alte Babys, welche keinen Schreitreflex mehr zeigten und hielt sie in einen Tank mit warmem Wasser => die Babys machten wieder Schreitbewegungen (weil der Auftrieb des Wassers das Gewicht verringert)! Hängte man kleine Gewichte an die Füße, verschwand der Reflex wieder.

    => Es lohnt sich, alte ´Weisheiten´ neu zu überdenken.

    Und noch eine Anmerkung zu den Gehirnscans: Damit kann man bei einer überlegten Versuchsplanung wertvolle Informationen über funktinelle Abläufe im Gehirn erhalten. Dies ist unbestritten – und wird uns noch viele interessante Informationen über unser Gehirn liefern.

    Bei NTEs werden aber frühere abgespeicherte Erlebnisse (von Fetus, Baby, Kleinkind, Kind, Jugendlicher …) mit dem aktuellen Verstand (Bewusstsein, Selbstverständnis, ICH) bewertet: D.h. Sinneseindrücke, die mit teilweise noch nicht richtig ausgereiften Organen erlebt und als Erfahrung abgespeichert wurden, werden mit dem aktuellen Selbstverständnis bewertet => hier versagt jede technische Meßmethode; => denn man kann nicht mehr nachvollziehen, welches Bewusstsein ein Mensch hatte, als diese Erlebnisse gespeichert wurden, denn das eigene Bewusstsein ändert sich andauernd.

  45. Schuster sagt:

    Sehr geehrter Herr Kinseher,

    vielen Dank für Ihren Beitrag. Hier noch kurz ein Hinweis auf ein wirklich schönes Buch zum Thema Bewusstsein und soziales Umfeld:
    Malcolm Gladwell “ Outliers“.
    Ich wünsche Ihnen schöne Feiertage.

  46. Kinseher Richard sagt:

    Sehr geehrter Herr Schuster

    Vielen Dank für den Hinweis.

    ich wünsche Ihnen ebenfalls schöne Feiertage.

  47. Robert sagt:

    Sehr geehrter Herr Schuster,

    ich habe gerade von Gerald M.Edelmann „Das Licht des Geistes“ gelesen. Er gelangt, von der Neurobiologie kommend, zu sehr ähnlichen Ergebnissen wie Sie. Im Unterschied zu Ihnen behauptet er allerdings, dass das Bewußtsein keine kausale Ursache sein könne, da dieses den Gesetzen der Physik widerspreche.
    Wie würden Sie dies auflösen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Robert Weggartner

  48. Schuster sagt:

    Sehr geehrter Herr Weggartner,
    Herr Edelmann hat den Nobelpreis für seine Arbeiten auf den Gebiet der Immunologie erhalten und ist ein solider Naturwissenschaftler. Daher bin ich sehr verblüfft darüber, dass er in seinem Buch gesagt haben sollte, das Bewusstsein hätte keine kausale Ursache und würde den Gesetzen der Physik widersprechen. Vielleicht handelt es sich dabei schlicht um eine missverständliche Übersetzung des englischen Originals? Ich habe mehrere Bücher von Edelmann gelesen, nur das von Ihnen angesprochene, leider nicht.
    Kurz gesagt ,wir sind ein Teil der Natur, daher sind wir den Naturgesetzen unterworfen und auch unser Bewusstsein muss sich daher im Rahmen der Naturgesetze erklären lassen. Da beisst keine Maus einen Faden ab oder besser gesagt, da kommt keine Wunderkraft mehr dazwischen. Wenn Edelmann wirklich etwas anderes sagte, dann kann ich diesen Widerspruch leider nicht auflösen.
    Aber ich habe mich über Ihre Anfrage gefreut und möchte Sie darin bestärken: Vertrauen Sie ruhig den Naturgesetzen.
    Mit freundlichen Grüßen,
    H.G. Schuster

  49. Robert sagt:

    Sehr geehrter Herr Schuster,

    entschuldigen Sie bitte meine mißverständliche Formulierung.

    Herr Edelman behauptet „natürlich“ nicht, dass das Bewußtsein den Naturgesetzen widerspricht.
    Er sagt vielmehr, dass die Gesetze der Physik kausal abgeschlossen sind. Daraus folgert er, dass die Bewußtseinszustände nicht kausal wirksam sein können, da dies (d.h. eine kausale Verursachung durch das Bewußtsein) eben den physikalischen Gesetzen entgegensteht.
    Das Bewußtsein ist für Edelmann etwas nur dem Subjekt zugängliches – quasi eine „Einbahnstraße“ ohne Rückwirkung auf die Physik.

    Mit freundlichen Grüßen
    Robert Weggartner

  50. Schuster sagt:

    Lieber Herr Weggartner,
    wenn wir bewusst Denken, dann finden physikalisch-chemische Prozesse in unserem Gehirn statt: Nervenzelle feuern, Synapsen schütten Chemikalien aus etc.. Diese Prozesse können ursächlich wieder physikalisch wirksam werden, indem sie etwa Muskelzellen beeinflussen so dass wir -was natürlich möglich ist- bewusst (d.h. ausgelöst durch unser subjektives Bewusstsein) schlussendlich den Zeigefinger krümmen. Kurz: Unser Bewusstsein wirkt zurück auf physikalische Systeme, da das Bewusstsein selbst nur ein spezielles dynamisches Verhalten eines physikalischen Systems ist. Wo ist das Problem?

    Mit freundlichen Grüßen,
    H. G. Schuster

  51. Robert sagt:

    Sehr geehrter Herr Schuster,
    nach den Erläuterungen verstehe ich Ihren Standpunkt so, dass Bewußtseinsprozesse mit den physikalischen Prozessen im Gehirn identisch sind. Ich persönlich bin anderer Meinung – aber es ging mir um Ihre Auffassung.
    Haben Sie vielen Dank.
    Robert Weggartner

  52. H.G. Schuster sagt:

    Hier der Versuch einer Antwort auf häufig gestellte Fragen:

    1. Wer objektiv, für Jedermann nachvollziehbar zeigen kann, dass in unsere Gehirntätigkeit ,d.h. unser Denken außer von physikalisch-chemischen Prozessen noch von anderen nicht materiellen Kräften beeinflusst wird, kann sich den Nobelpreis in Medizin abholen.

    2. Wenn wir akzeptieren, dass unser Denken auf physikalisch-chemischen Prozessen beruht, folgt sofort, dass wir keinen freien Willen haben.

    3. Welche Vorteile hat es, wenn wir akzeptieren, dass wir keinen freien Willen haben?

    a) Wir sind ehrlich.

    b) Wir brauchen keine Angst vor immateriellen von außen kommenden Einflüssen auf unser Gehirn zu haben.

    c) Wir erkennen, dass Verbrechen, die auf Gehirnschäden zurückzuführen sind, sowenig durch Zureden oder Strafe kuriert werden können, wie ein zu kurz gewachsenes Bein.

    Es ist interessant die obige Frage zu vergleichen mit der Frage: Welche Vorteile hat es, die Tatsache zu akzeptieren, dass sich die Erde um die Sonne dreht?

  53. peter von der weichselbraun sagt:

    Ich persönlich habe ihr Buch nicht gelesen, also weiß ich nicht, inwieweit sie auf die chemischen Prozesse eingehen, die ihrer Meinung nach das Bewusstsein ausmachen. Dennoch würde mich interessieren, wie Sie sich die Verbindung zwischen der „geistigen“ Welt in unserem Bewusstsein und den materiellen Vorgängen in unseren Nervenzellen erklären; was haben feuernde Neuronen mit dem Bewusstsein zu tun? Wie kommt es von dem blauen photon, das auf unsere Netzhaut trifft zum subjektiven Sinneseindruck, die blaue Farbe, die doch nichts mit einer Welle zu tun hat?

  54. H.G. Schuster sagt:

    Die Frage, wie wir zu der Empfindung Blau kommen, ist das sogenannte Qualia Problem.
    Wenn wir einen Zauberer auf der Bühne sehen, der ein Kaninchen verschwinden lässt dann wissen wir, dass das mit rechten Dingen zugeht, wir wissen nur nicht wie.
    Wenn wir die Empfindung Blau haben, so geht das ebenfalls mit rechten Dingen in unserem Gehirn zu: Es finden physikalisch chemische Prozesse statt, kurz unsere Neuronen errechen aus dem blauen Photonen die unsere Retina treffen im Gehirn unsere Empfindung Blau..
    Wie bei allen visuellen Eindrücken ist das nicht einfach. Unser visuelles System ist sehr, sehr komplex. Ich empfehle den Artikel von Herrn van Essen in dem er zeigt, wie viele Verarbeitungsstufen eines Bildes in unserem Gehirn auftreten (*).
    Wichtig für die Empfindung Blau sind u.a: Ein blauer Punkt, den wir auf dem Papier sehen wird verglichen mit den Lichtverhältnissen in der Umgebung und die Farbempfindung wird entsprechend im Gehirn angepasst. Aber dieses in Context setzen der Farbe geht noch weiter, wenn wir zu unsern Empfindungen kommen, die von unser persönlichen Vergangenheit geprägt sind. Ein unter stetig blauem Himmel aufgewachsener Mensch wird Blau anders empfinden als ein Eskimo und wenn jemand in einem blau bemalten Kinderzimmer aufwuchs so weckt Blau in ihm andere Empfindungen als bei jemandem dessen Kinderzimmerfarbe grün war. Kurz, in die Berechnungen der Empfindung Blau, die von den Neuronen in unserm Gehirn durchgeführt wird geht unsere Autobiographie ein.
    Wenn wir sagen „ich empfinde Blau schön“ dann haben wir deiseEmpfindung durch die Sprache ausgedrückt und uns von einer höheren Ebene aus bewusst selbst betrachtet. Hier kommt also unser Bewusstsein ins Spiel und da möchte ich dann auf mein Buch verweisen, das ich verständlicherweise nicht ganz hier kopieren kann.

    (*)
    http://webvision.med.utah.edu/VisualCortex.html

    PS: Unsere Empfindung Blau wird natürlich durch die Lichtwelle ,die unser Auge trifft ausgelöst, aber dann verarbeitet unser Gehirn noch einiges hinzu. Mir ist auch klar, dass die oben gegebene Erklärung nur prinzipiell und nicht detailliert ist-und daher unbefriedigend erscheinen mag. Aber die Details des Sehprozesses sind eben komplex, siehe (*) und hier nicht kurz darstellbar.

  55. peter von der weichselbraun sagt:

    Danke für ihre ausführliche Antwort. Eine Frage will ich ihnen noch stellen:
    Angenommen, ich würde behaupten, dass es kein Bewusstsein und geistiges leben gibt, sondern der Mensch wie eine Maschine automatisch auf alle Außeneinflüsse reagiert-könnten sie dann beweisen, dass es ein Bewusstsein gibt?

  56. H.G. Schuster sagt:

    Den einfachsten Beweis für einen Automaten der Bewusstsein hat sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel schauen. Das ist nicht polemisch gemeint, sondern soll zeigen, dass ein Automat mit Bewusstsein etwas sehr komplexes ist. Aber ich weiß natürlich worauf Sie hinaus wollen: Sie möchten wissen, ob ein Automat überhaupt Bewusstsein haben kann und welche Kriterien es dafür gibt. Bewusstsein ist, m.E., ein Kontrollprozess, der uns hilft in der Gemeinschaft unserer Mitmensche besser zu überleben. Dann stellt sich die Frage welche besonderen Eigenschaften hat dieser Prozess? Die Antworten, die ich in meinem Buch gebe lauten: Selbstbild, die Fähigkeit zur Selbstreflexion und die Sprache. Das führt zu verschieden Stufen des Bewusstseins, für die es wiederum unterschiedliche Tests gibt. All dies in meinem Buch auf den Seiten 13-17 beschrieben und auf den Seiten 128-130 beantworte ich im Kapitel „Häufig gestellte Fragen“ genau Ihre Frage: Woran können wir testen ob ein System Bewusstsein hat?

    PS: Wenn Sie allerdings einen „einfachen“ Automaten meinten, der- im Sinne von Searle’s chinesischem Zimmer- so programmiert ist, dass er nur reflexartig auf äußere Eingaben reagiert, so hat ein solcher Automat kein Bewusstsein, da er die Bedeutung seiner Aktionen nicht erkennt.

  57. Tanja sagt:

    Ich habe kürzlich gehört, dass die Illusion einen freien Willen zu haben dazu führt, dass wir in unseren Entscheidungen frei werden -also wirklich ein Stück weit einen freien Willen erhalten. Was halten sie davon? Und wie passt das zu ihrer Behauptung, dass es keinen freien Willen gibt??

    Mit freundlichen Grüßen
    Tanja

  58. H.G. Schuster sagt:

    Vorspann:

    Auch Affen überleben sehr gut und können sehr praktisch denken und ein bisschen vorherplanen. So können auch wir als deterministische Systeme, da wir sogar ein noch größeres Gehirn haben, denken Pläne schmieden und Anordnungen, wie etwa Verkehrsregeln, folgen. Also wir können wir von außen kontrollet werden, und uns Dank unseres Gedächtnisses auch selbst kontrollieren. Wo kommt da noch der freie Wille zum tragen?

    Nun es ist so, dass wir über die Affen hinaus (a ) ein Selbstbild von uns haben, (b) wir wenn wir vor einer Entscheidung stehen unsere Auswahlmöglichkeiten sehen und dann (c) – das ist der entscheidende Schritt – vorhersagen können, was wir als nächstes tun möchten und das dann auch (meist) eintritt. So formen wir in unserem Gehirn das Bild von uns als Akteur, als derjenige, der seine Handlungen beeinflussen kann. Da wir alle Auswahlmöglichkeiten sehen, meinen wir auch alle wählen zu können, so erhalten wir die Illusion des freien Willens.
    (Das ist ein Illusion, da wir deterministische Systeme sind, ist unser Verhalten -oft nur unbewusst – durch unsere Autobiographie und Vergangenheit bestimmt. Wir können das nicht erkennen, da wir nur einen Teil unserer Gehirnvorgänge selbst beobachten können. Die meisten Denkoperationen sind uns nicht bewusst.)

    Zur Frage: Jetzt kommen die Vorteile der Illusion des freien Willens:

    1. Willensfreiheit ist ein persönliches Gefühl. Wir fühlen uns als diejenigen die die Welt positiv verändern können. Das gibt uns Mut und Zuversicht.

    2. Wir sehen und verstehen uns als Handelnde und damit auch als Verantwortliche wir wissen was wir willentlich getan haben und was nicht. Das ermöglicht es uns unsere Fehler zu verbessern und uns in der Gesellschaft anderer zu erkennen.
    Hierzu ein schönes Experiment zu finden unter:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Mischel#Das_Belohnungsaufschubsparadigma

    3. Wir erkennen, dass wir unter all den Möglichkeiten, die wir bei einer Entscheidung haben auch die Möglichkeit haben gar nichts zu tun oder gegen die Vernunft zu handeln. Das kann manchmal von Vorteil sein.

    Kurz es ist lustig, gesund und sozial hilfreich die Illusion des freien Willens zu haben und auch ich verzichte nicht darauf.

    Warum dann all das Gerede dagegen?

    1. Es ist so, dass die Illusion des freien Willens uns auch sehr täuschen kann. Wir sind uns nur über einen kleinen Teil unsre Gehirnvorgänge durch Selbstbeobachtung bewusst. Vieles spielt sich unbewusst ab. Wir sind nicht so Herr im eigenen Haus, wie es uns die Illusion des freien Willens vorspiegelt.
    Beispiel: Versuchspersonen wurden leicht verschiedene Stoffstücke die nebeneinander lagen gezeigt. Sie wurden gebeten rasch ein Stück ihrer Wahl zu greifen. Die meiste Rechtshänder bevorzugen, unbewusst, einfach das am weitesten rechts liegende Stück. Das Stück Stoff k wurde dann –ohne dass es die Personen merkten ausgetauscht und ihnen als das ausgewählte Stück präsentiert mit der Bitte ihre Wahl zu begründen. Die Personen erfanden- im Nachhinein- die tollsten stofflichen Gründe warum sie das- nachweislich nur aus Bequemlichkeit (weil es rechts lag) – gewählte Stück ausgesucht hatten.

    2. Wenn wir uns selbst als Akteur identifizieren machen wir leicht Fehler. (Die Identifizierung beruhte darauf dass wir die Vorhersage machten: Das werde ich tun und dann diese Vorhersage als Handlungsresultat auftrat.)
    Auch das kann getäuscht werden. Zwei Versuchspersonen sollten immer dann, wenn sie glaubten, dass sie einen auf dem Computerbildschirm zufällig herumirrenden Punkt mit dem Cursor eingefangen hatten einen „Erfolgs“-Punkt für sich verbuchen. Es gab aber zwei Cursor –für jede Versuchsperson einen- die aber gleich aussahen. Die Versuchspersonen wussten nicht wessen Cursor den Punkt wann gefangen hatte. Die Personen wussten auch nicht, dass ihre Cursorbewegungen in Wirklichkeit völlig statisch erfolgten und nichts mir ihren Mausbewegungen zu tun hatte. Sie waren also nicht die Verursacher ihrer „Erfolge“. Dennoch schreiben sie sich bei Befragung einen Großteil der „Erfolge“ selbst zu.

    3. Wir müssen als soziale Wesen in der Gesellschaft öfter Verantwortlichkeiten abgeben und anderen folgen. Es sind also andere Menschen die uns dann –gegen unseren freien Willen – beherrschen. Da der freie Wille ein Konstrukt, also eine Illusion ist, sind wir uns oft nicht darüber klar wie einfach diese Illusion überrumpelt werden kann und welchen verheerenden Folgen diese Abgabe Verantwortung haben kann. Ein sehr bestürzendes Experiment hierzu wurde von Milgram 1961 gemacht und erst kürzlich wiederholt.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment

    Zusammenfassend: Der freie Wille ist ein Gefühl, eine nützliche Illusion, deren Täuschungen immer wieder mit dem Verstand kontrolliert werden müssen. Dazu ist ein Wechsel von der inneren Selbstbeobachtung (Eigenperspektive) zur Außenbeobachtung (dritte Person Perspektive)nötig, der aber durch Übersetzung – wenn auch nur bedingt- möglich ist. Siehe dazu das Bild im Beitrag Willensfreiheit rechts im Blog, das zeigt, dass wir nur einen Teil unserer Gehirnvorgänge innerlich wahrnehmen können und auch die Messungen am Gehirn (bisher) nur grob aufgelöste Eindrücke vermitteln können.

    Mit herzlichen Grüßen,

    H.G. Schuster

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